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Vortrag: „Was sie Eroberung nennen: Die dunkle Seite von Mexikos Mond in den Algorithmen der Kommunikation“

Di., 05.11.2019 | Frankfurt am Main

Veranstalter: Deutsch-Ibero-Amerikanische Gesellschaft e.V.

Vortrag von Dr. Irina Sigrid Buche (Philosophin, Konditorin, Kulturwissenschaftlerin)

Letzter Vortrag in der Reihe: Im Globalen sind die Kulturen unserer Welt vernetzt im virtuellen Miteinander, aber die Menschen erfahren einander im Leben als Fremde: Wie ist Integration im Lokalen möglich?”

Irina Buche. Theorie der interkulturellen Kommunikation. Die Eroberung der Göttinnen. Frankfurt a. M: Books on Demand 2002:

Vor 500 Jahren am 8. November hat Hernán Cortés den Haupttempelbezirk in Tenochtitlan betreten- heute: Mexiko-Stadt. Glaubt man der Geschichte, wurde das mächtige Reich der Azteken von nur 500 Spaniern besiegt. Ich aber wollte das nicht glauben, denn diese Geschichte ist von Autoren im Namen eines Schöpfergottes aufgeschrieben worden, der keine Frauen und erst recht keine Göttinnen in Seiner Heiligen (Alphabet)Schriftgemeinschaft tolerierte. Darum werde ich – wie folgt – mittels Theorie, einer neuen Methode im Umgang mit alten Schriften und nach Überprüfung der Ergebnisse vor Ort im September 2017 drei Missverständnisse in der Kommunikation zwischen Eroberern und Einheimischen richtig stellen:

Das 1. Missverständnis: Cortes glaubte, sie brächten ihm eine Sklavin. Die Mayas aber sprachen dieselbe Frau als Malintzin an, als Muttergöttin Malinalli, kurz: Malinche. Doch liegt es bis heute außerhalb des Vorstellungsvermögens von Schriftgelehrten, dass auch Frauen – so wie die Natur – durch Vergöttlichung ermächtigt werden können.
Das 2. Missverständnis: Den Glauben haben Spanier in die Neue Welt projiziert, im Alten Mexiko ging es um Fakten. Doch verschließen sich noch heute Wissenschaftler als treue Gefolgsleute christlicher Autoren der Erkenntnis, dass es in Mexiko Priester*innen waren, die in mündlicher Kommunikation durch präzise Beobachtung der vergöttlichten Natur Daten erwarben, die alle auf Festen empirisch überprüfen konnten. Sie haben das Wissen über den Mond in den Kulten von Göttinnen als Wissen über Zeiten und Gezeiten von Frauen
überliefert: über Lust und Sex, Gebären und Ernähren, Krieg, Krankheit, Tod und
Wiedergeburt. Dies hat Malintzin dazu ermächtigt, die Spanier über ein halbes Jahr lang friedlich in den Festzyklus von Tenochtitlan zu integrieren.
Das 3. Missverständnis: Nach 1521 glaubten die Spanier, sie hätten die Eroberung – dem Willen ihres Gottes folgend – vollzogen. Die Einheimischen wissen es besser: Zwar schien die Macht der Malinche gebrochen, man erinnerte sie als eine vergewaltigte Mutter, neue Priester erklärten Lust zur Sünde und unterbanden gleichberechtigte Beziehungen zwischen Frau und Mann. Doch 1978 wird die Mondkriegerin entdeckt: auf dem Höhepunkt weltweiter Frauen-Bewegung. Sie ist der Anfang.

Weitere Infos:
>> Info-Flyer (PDF)


Eckdaten:

Datum:
Di., 05.11.2019

Zeit:
19.15h
Veranstaltungsort:

Saalbau Dornbusch

Eschersheimer Landstraße 248
60320 Frankfurt am Main



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