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Qualitätssicherung

Generell ist zu beobachten, das die Debatte um Qualitätskritierien und Zertifizierung von entwicklungspolitischen Bildungsanbietern bzw. Bildungsmaßnahmen, -angeboten und –strategien immer wieder zwei große Themenbereiche umfasst und teilweise durcheinanderwirft bzw. verkürzt. Zum einen und zur größeren Teil wird von Bildung für einen nachhaltigen Entwicklung gesprochen und dabei vorwiegend – und manchmal ausschliesslich – auf Umweltfragen fokussiert. Themen die auf Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und Globalisierungsprozesse abzielen fallen dabei oft hinten runter. Zum anderen wird von Globalem Lernen gesprochen, was aber meist wenig konkret bleibt. Beispiele, die hier angeführt werden speisen sich meistens aus dem Bereich Umwelt und Entwicklung. Dazu sind in Zwischenzeit auch einige Studiengänge und Professuren an Universitäten eingerichtet, die oft auch in einen Teil der Lehrendenausbildung eingelassen sind .

Dies schafft das Problem, das für den immer wichtiger werdenden Teil der Schulbildung, die Themen wie nachhaltige globale Entwicklung umfassen, meist auf Umweltentwicklung verkürzt. Um dieser Verkürzung entgegen zu wirken sollte die Lehrendenausbildung erweitert werden und die Angebotspalette um weitere ExpertInnen erweitert werden, d.h. Kompetenzen von außen sollten in der Schulbildung hinzugezogen werden.

Hier setzt die Zertifizierungsdebatte in dem Bereich Bildung für eine nachhaltige Entwicklung an. Die unübersichtliche und wenig zu durchschauende Angebotsvielfalt der vielen kleinen und großen Organisationen – von Weltläden, NGO, Bildungsanbietern etc. – in dem Bereich. Das vom Land Hessen – nach dem Beispiel von Berlin und den nordischen Bundesländern – nachempfundene Zertifikat soll als Wegweiser und Qualitätssiegel dienen. Allerdings muß bei einem solchen Siegel die Vergabekritierien, der Bewertungsprozess und auch die Zielsetzung kritisch hinterfragt werden.

Der dritte Begriff des Interkulturellen Lernens ist kaum in der Debatte zu finden, allerdings sollte darauf mehr Wert gelegt werden, da er die Themenbereiche Weiss-sein, Postkolonialität und Thematisierung von Machtverhältnissen, Priviliegien und Positionierungen in den Vordergrund stellt.

 

Positionierung des EPN Hessen

EPN Hessen ist im Dialog mit Reiner Mathar (Leiter der Servicestelle Schule & Gesundheit Hessen, Hessisches Kultusministerium) und Ulrich Labonté (Referat Aus- und Fortbildung, Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung | HMUELV) über die Gestaltung des Zertifizierungsprozesses und die Kriterien. In einem Fachgespräch am 10.05.2012 wurden die in Hessen geplante Zertifizierung für außerschulische Angebote der Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE) und damit des Globalen Lernens diskutiert. Mit dem Zertifikat „‚Lernen und Handeln für unsere Zukunft‘- Zertifizierte Bildungsträger für nachhaltige Entwicklung“ wird ein mehrfaches Ziel verfolgt: Neben der Qualitätssicherung geht es darum, Übersichtlichkeit im Feld der BildungsanbieterInnen und der Angebote zu schaffen und damit v.a. Schulen in Hessen die Suche nach verlässlichen PartnerInnen für die Durchführung ihrer Bildungsangebote und Curricula zu erleichtern. Während an der Notwendigkeit von Qualitätssicherung und beständiger Qualifizierung auch im außerschulischen Bereich weithin kein Zweifel besteht, gibt es gegenüber der Einführung eines Zertifikates gleichwohl vielfältige Bedenken: Wie sieht es mit Aufwand, Kosten und Ein- bzw. Ausschlusskriterien des Zertifikats aus? Können gerade kleine, überwiegend ehrenamtlich arbeitende AnbieterInnen des Globalen Lernens/ BNE die formalen Anforderungen der Zertifizierung überhaupt erfüllen und wenn nicht, können ihre Angebote dann trotzdem weiterhin empfohlen und an Schulen durchgeführt werden?

Ausserdem dient das Fachforum Globales Lernen, in dem viele EPN-Mitglieder, die Geschäftstelle und andere Akteure im Bereich nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen zusammengeschlossen sind, einem regelmäßigen Austausch.

 

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