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Globales Lernen: Was ist das?

Obgleich das Globale Lernen (GL) seinen Anfang nimmt als Bewegungswissen entwicklungspolitischer und internationalistischer sozialer Bewegungen, hat es sich inzwischen als eine Art pädagogische Antwort auf Globalisierungsprozesse etabliert und soll als „Bildungskonzept, das alle Lebensbereiche berührt (…) sowohl die Orientierung für das eigene Leben in der globalisierten Weltgesellschaft unterstützen“ als auch zum verantwortlichen Handeln im Sinne einer humanen Weltgesellschaft anregen (Welthaus Bielefeld).

Der Bundesverband entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen VENRO definiert im Jahr 2000 das „Leitbild menschlicher Entwicklung und sozialer Gerechtigkeit“ und die „Parteinahme für die Leidtragenden des Globalisierungsprozesses“ als normative Grundlagen des GL. Dazu nähert sich GL seinen Gegenständen auf interdisziplinäre, fachübergreifende und methodisch vielfältige Weise. Es sind die vielfältigen „Spannungsverhältnisse zwischen Globalisierung und lokalen Handlungsmöglichkeiten – Komplexität und notwendiger Reduktion – Ungewissheit und dem Bedürfnis nach Sicherheit – Zukunftsorientierung und der Auseinandersetzung mit aktuellem Geschehen sowie dem Erlernen sozialer Fähigkeiten und Wissenserwerb“ auf die GL antworten muss und von denen es lebt (Schreiber 1995).

 

Themen

Das Nord-Süd Zentrum des Europarates illustriert in seiner „Maastrichter Erklärung“ von 2002 die thematische Breite des Konzepts: Globales Lernen umfasst entwicklungspolitische Bildungsarbeit, Menschenrechtserziehung, Nachhaltigkeitserziehung, Bildungsarbeit für Frieden und Konfliktprävention sowie interkulturelle Erziehung, also die globalen Dimensionen der staatsbürgerlichen Bildung.

Damit ist Globales Lernen sachorientiert, darf sich aber keineswegs auf die Vermittlung „objektiver“ Wissensbestände zum Erwerb kognitiver Fähigkeiten beschränken. Soziale und emotionale Fähigkeiten spielen eine zentrale Rolle wenn Informationsflut sich nicht in ein entpolitisierendes Ohnmachtsgefühl übersetzen soll.

 

Ziele

Durch interaktives Lernen soll es zu Perspektivenwechsel ermutigen und trägt damit ebenso zu Empathiefähigkeit wie auch zu kritischem Denken bei. Es soll die Horizonterweiterung (Weltsicht) und Vernetzung fördern, der Zukunftsorientierung und der Orientierung an universellen ethischen Prinzipien dienen.

Als reflexiver Bildungsansatz muss sich GL einerseits subjektorientiert an den Bedürfnissen, Interessen und Widersprüchen der Subjekte im Globalen Lernprozess orientieren und davon ausgehend durch Perspektivenwechsel und kritische Reflexion dazu beitragen „Sinn aus dem Gelernten zu machen“ und Engagement zu fördern. Denn wie Georg Krämer richtig anmerkt: „Handlungsleitend werden entwicklungspolitische Einsichten erst dann, wenn sie als subjektiv bedeutsam für das eigene Leben erkannt werden und wenn sich Möglichkeiten bieten, dies auch in privaten wie politischen Handlungen zum Ausdruck zu bringen.

 

Pädagogisches Konzept

Globales Lernen ist ein pädagogisches Konzept, das darauf basiert, Themen der Globalisierung in Bezug zur eigenen Lebenswelt zu setzen. Dabei soll das systemische, ganzheitliche Denken und Handeln gefördert werden. Die Auswirkungen von Globalisierungsprozessen werden somit nicht nur punktuell für einen Ort, sondern global reflektiert. Dadurch werden weltweite Vernetzungen anschaulich gemacht und ein Bewusstsein für notwendige Veränderungen geschaffen. Die Erkenntnis des individuellen „Eingebundenseins“ in weltweite Vernetzung zeigt die Wirkmächtigkeit des eigenen Handelns und erhöht die Motivation für persönlichen Einsatz und Engagement. Ziel ist es, Globalisierung nicht nur als Bedrohung, sondern als Chance für nachhaltige Veränderung zu erkennen, die es sozial und ökologisch mit- bzw. umzugestalten gilt.

 

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