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Globales Lernen in der beruflichen Bildung

Die globale Vernetzung unserer Welt wird auch in den Ausbildungsberufen immer stärker spürbar. Betriebe verlagern ihre Fertigungsstätten in sogenannte Billiglohnländer. ArbeitnehmerInnenrechte werden mit dem Argument der Konkurrenzfähigkeit beschnitten. Schwankungen des Weltmarktpreises für Erdöl beeinflussen den nationalen Einzelhandel. Diese assoziativen Schlaglichter verdeutlichen die Reichweite der Globalisierung. Beinahe jeder Lebens- und Arbeitsbereich ist mit globalen Prozessen verschränkt. Sowohl im Betrieb als auch im Privatleben treffen Auszubildende bewusste oder unbewusste Entscheidungen, die weltweite Auswirkungen haben. Im Umkehrschluss wird die Lebens- und Arbeitswelt junger Menschen in Deutschland ebenfalls von globalen Entwicklungen beeinflusst. Dadurch gewinnen globale Themen auch für die Unterrichtsgestaltung an Bedeutung.

Auszubildende tragen einen wesentlichen Teil zur aktuellen und zukünftigen Gestaltung unserer Gesellschaft bei. Sie haben das Potential, in ihren jeweiligen Berufsfeldern Entscheidungen in Richtung Nachhaltigkeit zu treffen. Vor allem in Fertigungs- und Dienstleistungsberufen ist es essentiell, globale Fragestellungen und soziale Verantwortung mit zu berücksichtigen, konstatiert Nicola Humpert vom EPIZ. Ausgehend vom Wissen über globale Zusammenhänge von Produktion und Dienstleistung möchte Globales Lernen in der beruflichen Bildung Anregungen zu nachhaltigem und zukunftsfähigem Handeln am eigenen Arbeitsplatz geben.

Die alltägliche Unterrichtspraxis ist langfristig gedacht ein Schlüsselmoment für Globales Lernen. Wenn BerufsschülerInnen im Unterricht darüber nachdenken, ob es möglich ist, nachhaltigen Tourismus zu betreiben, warum für die holzverarbeitenden Berufe die Rodung des Regenwalds relevant ist, oder wie sich Arbeitsrechte in anderen Teilen der Welt auf die Einkaufspreise bei uns auswirken, ist ein wichtiger Grundstein für Veränderung in der Berufswelt gelegt.

Was kann Globales Lernen nun in der schulischen oder betrieblichen Unterrichtspraxis heißen? In der Einzelhandelsbranche oder im Bereich der Textilherstellung spielen globale Produktionsketten eine Rolle: Wo beginnt der Weg einer Jeans, wer ist an der Herstellung beteiligt und unter welchen Bedingungen müssen diese Menschen arbeiten? Ferne Länder gehören für Tourismuskaufleute zum Alltagsgeschäft. Doch welche Auswirkungen haben Fernreisen für die lokale Bevölkerung in den Zielländern und mit welchen Vorstellungen von der jeweils anderen Kultur reisen wir eigentlich? Von Arbeitsbedingung bis Antirassismus, von Zimmerer bis Zahntechniker – in jedem Themen- und Berufsfeld finden sich globale Bezüge. Inhalte Globalen Lernens lassen sich sowohl in die allgemeinbildenden als auch in die berufsbildenden Fächer integrieren. Dabei gibt es unterschiedliche Ansätze. Auf der einen Seite kann themenbezogen gearbeitet werden. Die entsprechenden Unterrichtseinheiten oder Projekttage bspw. zu globalen Waren, dem Fairen Handel, Nachhaltigkeit oder globaler Gerechtigkeit werden meist in die allgemeinbildenden Fächer wie Wirtschaft und Politik, Sozialkunde oder Ethik integriert.

Ein zweiter inhaltlich-methodischer Ansatz konzentriert sich auf die fachliche und betriebliche Ausbildung. Diese Herangehensweise ist darauf ausgerichtet, globale Bezüge direkt in den beruflichen Lernfeldern herzustellen. Dabei soll nicht nur Wissen vermittelt, sondern auch Handlungskompetenz gefördert werden, die direkt in die berufliche Praxis übersetzt werden kann.

Orte Globalen Lernens:

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